Historie

Historie

Haus Kolksbruch e.V. kooperiert mit dem Institut für öffentliche Verwaltung NRW, eine Einrichtung im Geschäftsbereich des Innenministeriums NRW. Diese befindet sich im Gebäudekomplex Haus Kolksbruch, gelegen in einem Naturschutzgebiet in Hilden, umgeben von freier Natur und mit hervorragender Erreichbarkeit. Hier werden Nachwuchskräfte unterschiedlicher Laufbahnen und Fachbereiche aus den verschiedenen Berufsgruppen der gesamten Landesverwaltung NRW ausgebildet. Der Gebäudekomplex bietet ideale Bedingungen für Auswahlverfahren, Arbeitstagungen, Vorstellungstermine, Seminare und viele weitere, individuell geplante und organisierte Veranstaltungen.

Hier die interessante Historie des geschichtsträchtigen Haus Kolksbruch bis zum Jahr 1958.

Quelle: Festschrift anlässlich der Einweihung des neuen Dienstgebäudes des Instituts und des Landesprüfungsamtes im Dezember 1989, 3. Auflage, 1994
Author: Dr. G.Müller, Hilden, Stadtarchivar

Der Kolksbruch

Ursprünglich gehörte das Gesamtareal der heutigen Stadt Hilden dem Erzbischof von Köln. Das ist schon für das Jahr 985 urkundlich nachweisbar. Am heutigen „Alten Markt" standen der erzbischöfliche Herrenhof und die Kirche, im Hofbereich das Backhaus und die Schmiede. Etwas nach Osten versetzt und damit außerhalb des sich um die Zentrale entwickelnden Dorfes befand sich die Mühle. Alle genannten Einrichtungen waren „Bannbetriebe" des Grundherrn, d. h., alle Hildener hatten sich ihrer zu bedienen.

Beim Herrenhof tagte das „Hofgericht". Dort erhielten die „Lehnmänner" aus dem Besitz des Erzbischofs je ein Stück Land zu Lehen. Dafür schworen sie den Treueeid, zahlten Zins und leisteten Fron. Der vielen Lehngüter wegen - in Hilden gab es 139- setzte der Erzbischofschon früh ortsansässige Verwalter ein. Diese wiederum erhielten die Verfügungsgewalt über 25 Güter aus dem Gesamtbestand und verlehnten jene nun ihrerseits. Dazu schufen sie sich ein eigenes Hofgericht „vor dem Kückeshaus" an der heutigen Schwanenstraße.

Eines dieser „Kückeshausgüter" war der Hof, den Tilman auf dem Segelenbruch 1430 zu Lehen hatte und auf dessen Areal heute das „Institut für öffentliche Verwaltung NRW" steht.

Der Name „Segelenbruch" erklärt sich daraus, daß man unter „segelen" die Wasserrinnen in einer Wiese verstand, was in dem morastigen Bruchgebiet recht gut vorstellbar ist.

Tilman auf dem Segelenbruch war verpflichtet, jedes Jahr „auf Martini" (am 11. November) 6 Heller und 2 Hühner an Zins zu zahlen, sowie jährlich 2 Bautage für den Verwalter auf Haus Horst abzuleisten. Der jährliche Zehnt betrug 1 Huhn und beim Tode des Lehnmannes war eine Abgabe an den Lehnherrn, für den Verlust einer Arbeitskraft, durch die Nachfolger des Verstorbenen fällig. Diese Abgabe nannte man die „Kurmud". Sie bestand in einer Kuh.

Erst hundert Jahre später, nämlich 1530, erfahren wir dann wieder Einzelheiten über den Hof. In jenem Jahr heißt es, „Tilmanns Gut auf dem Segelenbruch" sei eine „Sole". Unter eine „Solstatt" verstand man eine Herdstelle, den rauchenden Schornstein. Es gab hier also ein Wohnhaus mit den dazugehörigen Wirtschaftsgebäuden. Inhaber war aber Wilhelm im Segelenbruch, der 1530 - 1540 nachweisbar ist. Ihm folgte Sebastian auf dem Segelenbruch, der 1545 genannt wird.

Um die Jahrhundertwende lernen wir die Eheleute Adolf und Katharina auf dem Segelenbruch kennen. Sie erscheinen in den Jahren 1583-1614 in den Hofgerichtsprotokollen und Steuerlisten. Zu ihrer Zeit gab es auf dem Segelenbruch bereits „zwei Solen". Die zweite Hofstatt besaß Johann zu Molzhaus. Als dieser 1615 starb, übernahm „Adolf junior auf dem Segelenbruch" das Gut. Nach seiner Hochzeit verzog er allerdings, nannte sich „Adolf im Kalstert" und verkaufte seinen Anteil an Gotthard auf dem Segelenbruch. Gotthard, bereits 1619 erwähnt, wurde 1631 endgültig Lehnmann. Der mit Katharina verheiratete Adolf sen. auf dem Segelenbruch starb im Jahre 1614. Seine Kinder und Erben hießen Wilhelmine und Margaretha. Das wird uns 1618 bekannt gemacht. Wilhelm, der den väterlichen Hof übernahm, erhielt den Zusatznamen „Kolk", wobei man wissen muß, daß ein „Kolk" eine Wasserlache, ein Teich oder ein Tümpel war. Wilhelm Kolck auf dem Segelenbruch war verheiratet. Seine Ehefrau Sibylla starb 1625. Er selbst wird 1627 letztmalig genannt. Für den schon erwähnten Gotthard, der 1631 sein Lehen antrat, wurde die Ortsbezeichnung „auf dem Segelenbruch" letztmalig angewandt. Die 1692 als Taufpatin auftretende Margaretha Kolk wird schon als „aus Hilden" stammend bezeichnet. Von der Hofstatt erfahren wir indessen von 1631 - 1724 nichts. Im Jahre 1724 besaß Adolf zum Bruch das Gut. Es umfaßte 6 Morgen Ackerland, 3 Morgen und 2 Viertel Wiesenland und 2 Viertel Land für Haus, Hof und Garten. Das machte zusammen 10 Morgen, wofür jährlich 6 Reichsthaler 60 Silbergroschen an Steuern zu zahlen waren. In der Steuerliste von 1739 findet sich erstmals die Ortsbezeichnung „Kolksbruch". Daß „Segelenbruch" und „Kolksbruch" jedoch identisch sind, beweist der Grabstein der oben erwähnten Sibylla Kolck vom Jahre 1625 (Kolck auf dem Segelenbruch). Der 1739 nachweisbare Inhaber des Gutes war Johann Ohtenbruch auffm Kolksbruch. Ihm folgte schon 1742 Wilhelm Brückmann nach. Ab 1757 finden wir alsdann Adolf Kolksbruch als Lehnmann vor. Beim Tode seines Vaters zahlte er die Kurmud, leistete den Lehnseid und wurde 1763 Scheffe. Als er 1785 starb, leistete sein Sohn Wilhelm die Kurmud. Auf Wilhelm Kolksbruch, der 1789 eine Spende zum Bau der Pastoratsscheune beitrug, folgte Wilhelm Rohden zu Hänischhaus. Er war kein Lehnmann mehr, denn das Lehnswesen war 1809 aufgehoben worden. Das Urkataster von 1830 nennt ihn als Eigentümer.

Henriette Rohden, die Tochter Wilhelms, heiratete Abraham Kirschbaum. Die Eheleute hatten vier Kinder: Wilhelmine, Amalie, Karl und Emma. Als die Eheleute Abraham und Henriette Kirschbaum gestorben waren, wohnte nur der Sohn Karl Kirschbaum noch auf dem Kolksbruch. Die drei Töchter hatten in andere Höfe eingeheiratet. Da aber alle ausbezahlt werden wollten, mußte das Gut am 19.05.1881 versteigert werden. Es hatte damals, beiderseits der Straße, einen Gesamtflächenraum von 18 ha 1 a 17 qm, bestand aus einem Wohnhaus, einem Nebenhaus, einem Anbau, einer Scheune, einer Stallung und einem Backhaus. Die Gesamttaxe wurde von Notar Paniel mit 17.500 Mark angegeben. Hier ließ nun im Jahre 1910 der Hildener Fabrikant Paul Spindler eine Villa, das „Haus Kolksbruch" bauen, sowie Parkanlagen, Gärten und Weiher anlegen. Das kostete insgesamt 500.000,- Mark. Es gab ein breites Eingangstor an der Straße mit Taxushecken zu beiden Seiten des Weges zum Herrenhaus, dessen Vorhof mit einem Brunnen versehen war. Hier wohnte zunächst die Familie Spindler, die aber alsbald in die Stadtmitte umzog und die Villa dem Generaldirektor Dr. h. c. Hauck verpachtete. 1934 schenkte Paul Spindler das Anwesen „dem Führer" und die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) richtete hier ein Müttererholungsheim ein. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, entstand während des Krieges ein RAD-Lager (Reichsarbeitsdienst). 1945 wurde das Haus von der US-Army beschlagnahmt, später wurde es britische Offiziersmesse. Das RAD-Lager war von Mai bis Juli 1945 Massenlager für Russen und Polen, die anschließend in ihre Heimat zurückfuhren. Erst 1958 gab die Besatzungsmacht „Haus Kolksbruch" wieder frei. Das Jahr 1958 zeigte daher allerlei Aktivitäten. Die Stadt Hilden und als Rechtsnachfolger das Land Nordrhein- Westfalen hatten Interesse am „Haus Kolksbruch". Die Stadt wollte das Anwesen vom Land erwerben und hierein Altersheim einrichten. Zwei Stiftungen in Höhe von 300.000,- DM lagen dazu bereits vor. Aber - und das war entscheidend - das Land hatte schon lange erwogen, hier eine Verwaltungsschule einzurichten. Das Ergebnis ist das „Institut für öffentliche Verwaltung".